DTB Infotag Nachhaltigkeit

      Agenda
    • Nachhaltigkeit – Einführung in die Thematik und aktueller Stand auf europäischer Ebene mehr
    • GOTS – Einstieg und Umsetzung mehr
    • No more "business as usual": Nachhaltigere Materialien und holistische Businessmodell mehr
    • Die Neufassung der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft mehr
    • BVE³: Monitoring von Chemikalieneinsatz und -ausstoß in der Nassproduktion mehr
    • Nachhaltigkeitsreporting: Status und aktuelle Entwicklungen mehr
    • Social sustainability – moving away from do or die! mehr
    • Zwei Töpfe sind besser als einer! Nachhaltige Entwicklungsprojekte mehr

Am 27.10.2016 trafen sich zahlreiche Vertreter namhafter Branchenunternehmen, um sich über die aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen, Chancen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit zu informieren.

Vortrag 1

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Herr Hochrein, W.L. Gore & Associates GmbH, langjähriger Leiter des DTB Arbeitskreises Nachhaltigkeit, erläuterte in dem Einführungsvortrag des Tages die Prinzipien der Nachhaltigkeit sowie der EU Perspektive. Gleich zu Beginn seiner Einführung macht er auf eines der Hauptprobleme der heutigen Gesellschaft aufmerksam: Gier – und diese habe sich der heutigen Zeit institutionalisiert. Um „Nachhaltigkeit nachhaltig“ zu erreichen, ist eine Verschiebung hin zu „Genügsamkeit“ notwendig. Er regte das Auditorium dazu an, die klassische Schnittmenge der Nachhaltigkeit „sozial, ökonomisch, ökologisch“ zu betrachten. Denn bei der reinen Betrachtung der Schnittmenge wird ein relevanter Aspekt vernachlässigt – nämlich dass jeder Faktor auch für sich alleine wachsen kann. Gleichzeitig stellte er den Begriff der Ganzheitlichkeit als Prinzip der Nachhaltigkeitsbetrachtung in den Fokus. Bevor eine Lösung festgelegt wird, sollte das Produkt und die Auswirkungen vollstufig in Betracht gezogen werden, denn nur so kann nachhaltig Nachhaltigkeit erreicht werden.


Vortrag 2

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Lina Pfeifer, stellte die Entwicklung des GOTS - Global Organic Textile Standard (GOTS) – sowie die Anforderungen der einzuhaltenden Umwelt- und Sozialkriterien vor. Einer der wichtigsten Punkte den es zu beachten gilt ist, dass alle Anforderungen umgesetzt werden müssen, eine nur teilweise erbrachte Umsetzung ist nicht ausreichend. Der Standard deckt Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb aller Textilien ab, die aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Ein wichtiges Kriterium bei der Zertifizierung durch GOTS ist es, dass diese unabhängig unter der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette erfolgt. Die im März 2014 verabschiedete Revision 4.0 enthält ein Mindestinspektionsprotokoll für Sozialkriterien. Um die Unternehmen auf Ihrem Weg zur Zertifizierung zu unterstützen wird von GOTS das Instrument einer „positiv Liste“ an die Hand gegeben.


Vortrag 3

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Im Vortrag von Frau Seisl, Textile Exchange, standen die Bedeutung von holistischen Geschäftsmodellen und die Vorteile dieser im Fokus. Diese wurden am Beispiel der Supply Chain deutlich. Besser wäre es von einer, „Supply Network“ zu sprechen. Eine Kette geht nur in eine Richtung, dies nur Schritt per Schritt und ist zudem leicht sprengbar. Bei einem Netzwerk ist die Ausrichtung langfristig mit einer kontinuierlichen Wechselwirkung zwischen den Stufen, da diese miteinander vernetzt sind. Die einzelnen Akteure sind bedachter und motivierter, da sie somit ihrerseits eine faire Gegenleistung erwarten. Als Anreiz zur nachhaltigen Herstellung sollten u.a. auch die Kosten des Naturkapitals stehen. So sollte bedacht werden, dass bei der Einsparung von 1 € an einer falschen Stelle, das Siebenfache an Reparaturkosten entstehen kann. Zur Veranschaulichung diverser Einsparungspotenziale folgen eine Reihe an Beispielen sowie Fallstudien.


Vortrag 4

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Auf die Relevanz und Neufassung der TA für die Textilindustrie ging Frau Zietlow vom Umweltbundesamt näher ein. Die für mehr als 50.000 Anlagen geltende zentrale Immissionsschutz-Vorschrift schafft bundeseinheitliche, verbindliche Anforderungen für genehmigungsbedürftige Anlagen. In der Überarbeitung wurden u.a. Anforderungen zu Energie und Einsatzstoffen aufgeführt, da auch Einfluss mit einbezogen werden sollen, die nur indirekt einwirken. Auf Grund der Notwendigkeit gibt es für Anlagen zur Textilveredlung besondere Regelungen, wie beispielsweise zu Formaldehyd oder den baulichen und betrieblichen Anforderungen.


Vortrag 5

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Christian Blut stellte die neue IT-Plattform „Environmental Emission Evaluator (BVE³)“ von Bureau Veritas, zum besseren Verständnis der Supply Chain und der eingesetzten Chemikalien, vor. Es handelt sich hierbei um ein unterstützendes Tool, am besten zusammen mit Chemikalienscreenings, Abwasser- und Produktprüfungen sowie Chemikalienmanagementaudits. BVE3 berechnet realistische Freisetzungs-Szenarien für eingesetzte Chemikalien pro Fabrik. Fabriken laden Informationen der eingesetzten Chemikalien auf der Plattform hoch (Einsatzmenge, Wasserverbrauch, Produktion). Der Input wird von Bureau Veritas berechnet, anschließend der Output in das Abwasser und die eingesetzten Chemikalien auf Detox-Konformität überprüft. Verfügbare Daten werden zu 3 Indicees (Transparency Index, Greener Chemical Usage Index & Clean Emission Index) summiert.


Vortrag 6

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Sabine Braun, akzente kommunikation und beratung gmbh, informierte die Teilnehmer über den aktuellen Stand des Nachhaltigkeitsreporting in Deutschland. Ein Ranking der 150 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland zeigte auf, dass zwar viele Unternehmen bereits berichten – immerhin 72 sogar in Form eines eigenständigen Berichts -, jedoch nicht alle (5 Unternehmen berichten nicht). Es besteht weiterhin ein großer Verbesserungsbedarf vor allem in Bezug auf die Verantwortung in der Lieferkette. Ferner ging Frau Braun auf die Global Reporting Initiative und die Entwicklung von der Berichterstattung nach G4 hin zu Sustainability Reporting Standards, ein. Das neue Framework hierzu wurde am 17.10.2016 vorgestellt und gilt verbindlich ab 2018. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der europäischen CSR-Berichtspflicht, der für kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen (ab 500 Mitarbeiter sowie einer Bilanzsumme von mind. 20 Millionen bzw. Umsatz von 40 Millionen EUR), haftungsbeschränkten Personengesellschaften sowie Genossenschaften gilt. Der Berichtspflicht muss erstmals für das Fiskaljahr 2017 entsprochen werden. Berichte sind spätestens sechs Monate nach Geschäftsjahresende vorzulegen.


Vortrag 7

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Mark Temme, nahm in seinem Vortrag das Prinzip „Alles oder Nichts“ genau unter die Lupe und analysierte das derzeitige Modell des Risikomanagements. Bei diesem Modell, auch bezeichnet als „Nur Audit-Modell“ kristallisiert sich eine klare Notwendigkeit nach mehr Transparenz hervor, denn „Nicht-Transparenz“ verhindert die Möglichkeit das Risiko zu managen. Den Teilnehmern wurden zwei mögliche Wege der Entwicklung vom Elevate aufgezeigt:

1) Audit(+): hier wird direkt mit der Fabrik zusammengearbeitet; mittels einem internen Bewertungsprozess werden die verschiedenen Verbesserungslevels ermittelt und entsprechende Lösungen festgelegt.

2) Verknüpfung von Managementsystemen mit gezielten Audits: hier wird direkt am Management gearbeitet (in zeitlichen Etappen: heute – 1 bis 3 Jahre – 5 Jahre) sowie eine Einstufung in drei Risikograde vorgenommen. Daraus werden dann gezielt spezielle Audits abgeleitet.

Im Allgemeinen ist eine klare Bewegung von reaktiv (Stand heute) zu proaktiv (Zukunft) erforderlich. Eine positive Auswirkung der Veränderung von, traditionellen hin zum Segmentation- Ansatz ist eine bedarfsgerechtere Einsetzbarkeit der finanziellen Mittel.


Vortrag 8

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Den Abschluss des Tages bot Herr Özdemir mit seiner Präsentation über nachhaltige Entwicklungsprojekte sowie deren Fördermöglichkeiten. Er zeigte das Potenzial sowie die tatsächliche Nutzung der finanziellen Unterstützung auf, welches eine große Diskrepanz aufweist. Grund dafür ist die Nicht-Kenntnis der Firmen über die Möglichkeiten und vor allem „was“ sich tatsächlich als Projekt eignet. Hr. Özdemir, Geschäftsführer von suPPPort ltd. einer auf nachhaltige Entwicklungsprojekte in Asien spezialisierte Beratungsfirma, skizzierte die Merkmale eines sogenannten PPP-Projekts sowie die Rollen und Aufgaben der einzelnen Akteure. Um einen Projektantrag stellen zu können, müssen einige Kriterien eingehalten werden, welche er in seinem Vortrag erläuterte. Anhand zahlreicher Beispiele wurde die Vielfältigkeit zu fördernder Projekte deutlich sowie die Vorteile und Benefits, die ein solches Projekt für das Unternehmen mit sich bringt.


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